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Doku-Film:"Besuch beim Propheten" - Die politischen Implikationen einer Pilgerfahrt
02.07.08


VON: ARIANA MIRZA


Kategorie: PROJEKTE



Mit einem Filmprojekt haben junge deutsche Muslime ihre erste Pilgerfahrt nach Mekka dokumentiert. Bei der Premiere gab sich sogar der saudische Botschafter die Ehre - und wurde Zeuge, wie sich die Diskussion plötzlich politisierte. Ariana Mirza berichtet aus Berlin.

 

 

Im Frühjahr 2008 unternimmt eine Gruppe zumeist türkischstämmiger Jugendlicher aus Deutschland die "kleine" Pilgerfahrt nach Mekka und Medina, die "Umra". Ungewöhnlich an dieser Pilgerfahrt: Mit technischer Hilfe des "Medienprojekts Wuppertal" drehen die Jugendlichen eine Dokumentation.

Sie erklären, welche Rituale eine Umra beinhaltet, wofür die einzelnen Stationen stehen und nicht zuletzt, was die Pilgerfahrt bei den Einzelnen auslöst. Der 60-minütigen Dokumentation "Besuch beim Propheten" gelingt es, auch Nichtmuslimen die Weltsicht junger Gläubiger nahe zu bringen.

In zahlreichen Interviewsequenzen berichten die Heranwachsenden über ihre Motive, ihre persönlichen Erwartungen, Gedanken und Gefühle. Entstanden ist eine Collage individueller Aussagen und Bilder, die auf vielfältige Weise vom Eintauchen in die Gemeinschaft der Gläubigen erzählen: von Demut, Ernsthaftigkeit und Freude.

Glauben als Selbstverständlichkeit

 

So berichtet eine junge Frau, wie sehr ihr Herz beim Anblick der Kaaba pocht, eine ihrer Reisegefährten beschreibt die inneren Ruhe und das Wohlgefühl inmitten von Lärm und Menschenmassen.

Immer wieder schildern die jungen Muslime wie erleichternd es sei, dass ihr Glaube im Verlauf der Pilgerfahrt an Selbstverständlichkeit gewinnt. "In Deutschland habe ich manchmal Angst in die falsche Richtung zu beten. Hier nicht, hier beten ja alle und ich sehe die richtige Richtung."

 

Doch auch kulturelle Irritationen blendet die Dokumentation nicht gänzlich aus. So erzählt ein Mädchen aus der Reisegruppe, wie sie bei ihrer Ankunft in Saudi-Arabien wiederholt ermahnt wird, ihre Kleidung sei nicht sittsam genug.

Die junge Muslima, die in Deutschland nicht einmal ein Kopftuch trägt, reagiert pragmatisch: "Dann kauf ich mir morgen halt was anderes." Erstaunt und ein wenig befremdet reagieren die Pilger aus Deutschland auf die geschäftlichen Aktivitäten rund um die heiligen Orte.

"Dass hier überall Handel getrieben wird, finde ich eigentlich nicht so gut", heißt es im dem Film weiter, der erstmals bei "Berlin 08", dem Festival für junge Politik, zu sehen war. Konzipiert und produziert wurde die Dokumentation vom Medienprojekt Wuppertal.

Die politische und gesellschaftliche Situation im Königreich Saudi-Arabien spielt in der Dokumentation "Besuch beim Propheten" keine Rolle. Doch genau diese unpolitische Haltung stößt bei der Aufführung in Berlin bei einigen der vor allem jugendlichen Zuschauern auf starken Protest.

Politik war nicht unser Thema

 

Während der saudi-arabische Botschafter in Deutschland, S.E. Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi, nach der Aufführung bekennt, er habe durch die Dokumentation regelrecht Heimweh bekommen, verweist eine Zuschauerin auf Bestrebungen, die Verwaltung der heiligen Stätten unter die Obhut aller Muslime zu stellen.

"Viele Muslime finden es nicht richtig, dass die Saudis dort allein bestimmen." Zudem wird im Publikum wiederholt der Vorwurf geäußert, die Frage der Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien sei völlig außer Acht gelassen worden.

Das sind Publikumsreaktionen, die die anwesenden Filmemacher sichtlich überfordern. Durch ihre Dokumentation, so betonen die Jugendlichen, wollten sie als in Deutschland lebende Muslime Brücken schlagen und Verständnis für ihren Glauben wecken.

Der Fokus von "Besuch beim Propheten" läge allein auf der spirituellen Erfahrung. "Politik war nicht unser Thema", so einer der jungen Filmemacher.

Subjektivität als Mittel des Erzählens

Letztlich kann ein Großteil des jungen Publikums diese subjektive Haltung besser nachvollziehen als die anwesenden Erwachsenen. "Ich konnte mich gut hinein versetzen und entdecke jetzt auch Parallelen zur christlichen Religion", lobt ein Teenager.

Ein anderes Mädchen möchte sich von nun an intensiver mit dem muslimischen Glauben ihres Großvaters auseinander setzen. "Ich wusste so vieles gar nicht, was hier erklärt wurde."

Dass "Besuch beim Propheten" gerade durch die authentische, sehr subjektive Erzählweise der Jugendlichen ein guter Beitrag für den interkulturellen und interreligiösen Dialog sein kann, davon sind auch die Verantwortlichen des Medienprojekts Wuppertal überzeugt.

"Jugendliche machen keine ausgewogenen journalistischen Beiträge, sie erzählen von sich und ihren Gefühlen. Und genau das spricht andere Jugendliche an."

Um einen solchen fruchtbaren Dialog voran zu treiben, soll "Besuch beim Propheten" auch keinesfalls für das Archiv produziert worden sein. Die Video-Dokumentation ist ab sofort als Bildungs- und Aufklärungsmittel für Schulen und die Jugendarbeit erhältlich.



© Qantara.de 2008

 

 

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FRAGEN/KOMMENTARE VON LESERN

 

04.07.08

 

Der Bericht unterschlägt, dass es im Publikum auch heftige Kritik an der einseitigen Darstellung der Verhältnisse im Iran gegeben hat, also an dem Film der zusätzlich zu dem Pilgerfilm gezeigt wurde,   dass sich die 'Juegndlichen' sehr wohl zur Politik geäußert haben (die Zustände im Iran seien gar nicht so schlimm, sie entsprechen dem Willen des Volkes, da es ja eine islamische Revolution gegeben habe, in Saudi Arabien seien 99% aller Menschen religiös, daher sei es nur demokratisch, wenn die Religion das Leben bestimme. Hier kommt eine eklatante und nur politisch einzuordnende, sei es durch Unwissen oder durch ideologische Einbindungen verursachte, Demokratieferne zum Ausdruck. Es ist schlichtweg absurd, diese Veranstaltung als unpolitisch zu charakterisieren: was ist der Botschafter eines Landes anderes als der politische Repräsentant des jeweiligen politischen Systems (vulgo der Machthaber); dieser war ja nicht zufällig da, sondern wurde von den Jugendlichen eingeladen wie auch ausweislich des Abspanns der Film mit Unterstützung der saudiarabischen Botschaft produzziert wurde. Die Autorin verschweigt uns diese Fakten. 







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