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Chancen und Grenzen interreligiöser Begegnung
10.09.07


VON: JONA LI


Kategorie: RELIGION, GESELLSCHAFT



Jona Li

 

Ansätze und Bemühungen zum gegenseitigen Verstehen zwischen Islam und Christentum, zwischen Islam und Judentum, sowie zwischen Judentum und Christentum gibt es schon lange, doch das mediale Offensichtlichwerden eines zerstörungsbereiten Hasses arabisch sprechender islamischer Menschen im Orient gegen den so bezeichneten „Westen“, der großteils christlich ist und von der Politik der U. S. A. mitgesteuert wird, hat nach dem ersten Schock ein Umdenken bewirkt.

 

Ist nicht in allen großen Religionen die Bereitschaft zu „Liebe“, „Hilfsbereitschaft“ und „Frieden“ die Hauptanforderung an die an Gott Glaubenden?

 

Viele an Gott glaubende Menschen fühlen sich zutiefst betroffen, weil offensichtlich ist, dass eine mächtige westliche Zivilisation wichtige Rohstoffe, Ressourcen aus der Erde, in großer Menge für sich benötigt und bestrebt ist eine Machtposition einzunehmen, die diesen Ressourcenerhalt absichert.

 

Jedoch gerade auf diese eigentliche politische Handlungsmotivation haben Glaubende aller Religionen kaum Einfluss – außer sehr wenigen Superreichen und einigen Konzernen, die globale Politik im Hintergrund wesentlich mitgestalten. Die Ohnmacht und Betroffenheit hat in vielen Menschen zum Umdenken und Umfühlen gegenüber dem Islam und gegenüber der Zukunft der ganzen Welt geführt: „Ich will lieben und nicht hassen!“, „Wir wollen lieben und nicht hassen!“, „Wir wollen Frieden und Sicherheit für die ganze Welt!“.

 

Vielen Menschen ist auch die Zerstörbarkeit unserer hohen Zivilisation bewusst geworden! Krieg wäre das Ende eines hoch technisierten Zeitabschnittes. Unser aller bequeme Lebensqualität im Westen hängt am Frieden, sonst würden wir alle gleichsam von heute auf morgen - beispielhaft ausgedrückt - mittels Holzscheitern heizen und kochen, zu Fuß pilgern statt zu fahren, Briefboten senden statt zu mailen, Kerzen anzünden statt bunte Lichter zu haben. Auch unsere hoch technisierte Medizin in Spitälern und wissenschaftliches Arbeiten hängen vom Frieden ab. Dieses Bewusstwerden hat viele an Gott Glaubende aus allen Religionen zur Bereitschaft bewegt den „Dialog der Religionen“ zu erlernen.

 

Im interreligiösen Dialog finden wir Chancen für die eigene wie auch globale Zukunft und zugleich Grenzen des Einflusses, die kaum von Liebe und Dialogbereitschaft der an Gott Glaubenden bestimmt werden, sondern von wirtschaftlich Mächtigen, mögen jene an Gott glauben oder auch nicht.

 

Sowie es keinen Sinn macht Präsident Bush zu verteufeln, weil er im Vordergrund stehend Macht zu haben scheint - im Hintergrund jedoch selbst von wirtschaftlichen Machthabern mitbestimmt wird, macht es auch keinen Sinn Teile des arabischen Sprachraums als „Achse des Bösen“ zu bezeichnen, und es macht auch keinen Sinn nicht mögliche – verbotene – Kirchenbauten im islamischen Orient gegen Moscheenbauten in Europa aufzurechnen; sondern Solches lässt vielmehr innere Aufgewühltheit und emotionalisiertes Denken erkennen. Wo Menschen zu Schaden kommen, ist Emotion verständlich. Dort jedoch, wo Emotionen des Hasses, der Tötungsbereitschaft und der Kriegsbereitschaft durch Ansprachen, Predigten und Medienbotschaften geschürt werden, ist nicht nur höchste Vorsicht angebracht, sondern besteht auch Handlungsbedarf gegen Personen aus der eigenen Religion und aus allen eigenen Reihen. „Fundamentalismus“ egal welcher Religion ist das Ergebnis kindlichen Glaubens erwachsener Menschen, der auf wenig und mythologischer Information begründet ist.

 

Deshalb vertritt zum Beispiel die Evangelische Kirche in Europa den Standpunkt: Ohne ausreichende Bildung als Basis des Glaubens kann man heute nicht „evangelisch“ sein. Ein gerne angeführter „heiliger Geist“ eines religiösen Menschen braucht Schulung, das heißt Unterricht in und über seine und andere Religionen. Ein „für Gott“ bereiter Mensch braucht Kenntnisse über das Werden und die Geschichte der Menschheit, worin auch die Geschichte der Religionen und des Monotheismus enthalten ist, sowie Unterweisung über „Haltung“ zu anderen Menschen hin und Schulung in Gesprächsführung am besten von der Grundschule an, denn in großen inhomogenen Populationen kann man diese Qualitäten nicht als selbstverständlich vorhanden voraussetzen, sondern muss sie durch gemeinschaftliche Anstrengung hervorbringen. Unsere größten Chancen liegen deshalb in der allgemeinen und auch religiösen Bildung unserer Jugend.

 

Hass und Gewalt mancher in bitterer Armut lebender Menschen in Asien, Afrika und dem nahen Osten darf uns nicht abschrecken und davon abhalten den interreligiösen Dialog hier bei uns in der westlichen Welt, in Europa, zu suchen und zu führen. Punktuell durch persönlichen Kontakt und erweitert durch das Internet können wir den interreligiösen Dialog und die nötigen Schulungen hierzu bis in jene gefährdeten und Frieden gefährdenden Regionen bringen.

 

Fragen und Widerstände, die sich in der Vorbereitung auf den interreligiösen Dialog der abrahamitischen Religionen - Judentum, Islam und Christentum - in christlichen Reihen ergeben, beziehen sich auf die Person des Jesus aus Nazareth, den Christen als offenbarte Gottheit und als Propheten ansehen, und darauf wie aus verschiedener Sicht auf diesen Jesus gemeinsam zu Gott gebetet und gesungen werden kann.

 

Westlich gekleidete Frauen und Frauen, die gewöhnt sind gegenüber Männern ihre Meinung öffentlich zu vertreten, öffentliche Vorträge auch vor männlichen Hörern zu halten und mit Männern gleichwie mit Frauen unbefangen zu kommunizieren, werden im Begegnen mit dem Islamischen mitunter zurück katapultiert in soziales Gruppenverhalten, welches bereits ihre Mütter und Grüßmütter spätestens in den 1950er Jahren abgestreift haben und empfinden deshalb mitunter einen erheblichen persönlichen Widerstand sich in das traditionell Islamische hinein zu fügen. Umgekehrt können auch islamische Frauen sich sehr unwohl in westlichem Gruppenverhalten fühlen und einen inneren Widerstand verspüren Etwas mit zu machen, was ihrer Lebensart widerstrebt. Der religiöse Reigen-Tanz als Vorführung oder als gemeinschaftliche Praxis scheint für viele Moslems ein Problem darzustellen. Es gibt auch einzelne Ausnahmen: Zum Beispiel treffen sich in Österreich islamische mit christlichen Frauen regelmä0ig zu einer Jause und erlernen gemeinsam folkloristische Reigentänze.

 

In europäischen urbanen Gesellschaften ist Makeup für Frauen (und korrigierende Kosmetik sogar für Männer) selbstverständliche Praxis und das weibliche sich Präsentieren mit rotem Nagellack wird nicht negativ bewertet, sondern als Ausdruck der Lebensfreude und Ästhetik verstanden. Selbst unter Christen wird öfter die Meinung geäußert, dass junge Menschen doch wenigstens ihren Bauch bedeckt tragen sollten und Miniröcke bei der Arbeit und in Schulen nicht angemessen wären ……

 

Christliche Europäer sind aus der Erfahrung der Geschichte des Christentums und der politischen Weltgeschichte froh über die Trennung von „Kirche“ und „Staat“ in unserem gemeinsamen Europa und wollen weder Verfolgungen, Zwangsbekehrungen, Todesstrafe, Vogelfreiheitspraxis, Beschneidung weiblicher Genitalien und Zwangsehen. Die „Allgemeinen Menschenrechte“ sind Grundlage unserer modernen europäischen Gesellschaft.

 

 

Christliche Europäer wünschen sich generell einen „europäischen Islam“ - manche islamische Europäer und islamische Einwanderer wünschen sich dagegen einen „Islam in Europa“.

Begegnungen von Fundamentalisten unter den abrahamitischen Religionen haben am wenigsten Chancen fruchtbar zu sein – ein langer Lernprozess besonders in der Dialogführung müsste sich daran binden und Toleranz müsste „von Grund auf“ erlernt werden. Beste Chancen im interreligiösen Dialog haben aufgeschlossene Menschen, die nach Weiterbildung in ihrem Leben streben und sich gerne für Neues öffnen.

 

 

Der interreligiöse Dialog ist zugleich zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Dialog, weil diese Ebenen einander überschneiden: Einen Menschen, den man kennt, wird man zum Beispiel auch fragen „Wie geht’s Dir?“ und „Wie hast Du den Sommer verbracht?“ und, wen man schätzen lernt, wird man wahrscheinlich auch „gern haben“. Einander so nahe zu kommen, dass beide bzw. alle Teile sich im Miteinander angenommen fühlen – ist wohl die „goldene Regel“ – und so viel Abstand zu wahren, dass beide bzw. alle sich im Miteinander wohl fühlen, bedarf eines ständigen „sich aufeinander Einstellens“ in entstehenden Beziehungen.

Voraussetzung für Begegnungen ist das Erlernen der verschiedenen Etikette-Regeln religiöser Kulturen, die regional sehr verschieden sein können, und oft von der religiösen Praxis bestimmt sind. Vor Begegnungen sollte man sich deshalb informieren welcher kulturellen und religiösen Gruppierung Gesprächspartner angehören, um mit der Kenntnis der entsprechenden Benimm-Regeln entgegenkommen zu können.

 

 

In Bezug zum Judentum kommt uns europäischen Christen die historische Verantwortung zu diese monotheistische Kultur mit und weiter zu tragen in die Zukunft, denn im 20. Jahrhundert wurden im gesamten „Deutschen Reich“ christlicher Kultur unter dem Regime von Adolf Hitler insgesamt 6 Millionen Juden ermordet.

Die mosaische Religion – als ältester uns überlieferter Monotheismus – ist Wurzel und Ausgangspunkt der gesamten christlichen Religion wie auch des später entstandenen Islam.

 

 

Ziel des interreligiösen Dialogs der abrahamitischen Religionen - Judentum, Islam und Christentum - ist die „Einheit“ unter Menschen verschiedenen monotheistischen Glaubens, die sowohl dem Frieden dient als auch der Weitertradierung der monotheistischer Gottes-Idee und monotheistischer Werte – wie zum Beispiel ein grundsätzliches Ja zu menschlichem Leben - in zukünftige Gesellschaften.

Ziehen wir - als den abrahamitischen Religionen Angehörende - gemeinsam an einem Strang, denn wir leben in einer Zivilisation, die langsam auf eine zukünftige „Anti-Gottgesellschaft“ zusteuert, in welcher der/die „an Gott Glaubende“ belächelnd ausgegrenzt werden wird, und in welcher die Gottesidee an sich in Wissenschaften keine positive Einordnung mehr finden wird.

 

Das Wort „Christus“ ist lateinisch und bedeutet: mit dem Geist Jahwhes „gesalbt sein“. „Jahwhe“ ist der althebräische Name für den 1 Gott von dem die jüdische Bibel - das ist nach althergebrachter Bezeichnung das Alte Testament der christlichen Bibel - erzählt. „Antichristliches“ wird sich in ferner Zukunft gegen jede an den 1 Gott glaubende Religion richten.

Das dreieinige Gottesbild, welches seit dem Jahr 325 nach Christus die christliche Lehren bestimmt, ist eine sehr alte theologische „Vorstellung“ von dem 1 Gott - jedoch - Gott ist größer als jede Vorstellung und darauf kann jeder denkende Mensch von selbst kommen …..

 

 

Ein Video-Arrangement „zum Nachdenken“ 

 

Zeitschrift für den interreligiösen Dialog:

„Religionen unterwegs“

 

 

 

Jona Li ist evangelische Religionslehrerin für Grundschule und Mittelstufe in Österreich. Zur Zeit ist sie Hausfrau.

 

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KOMMENTARE/FRAGEN VON LESERN - ANTWORT DER AUTORIN

 

 19.11.07

 

 " Ziel des interreligiösen Dialogs der abrahamitischen Religionen - Judentum, Islam und Christentum - ist die "Einheit" unter Menschen verschiedenen monotheistischen Glaubens, die sowohl dem Frieden dient als auch der Weitertradierung der monotheistischer Gottes-Idee und monotheistischer Werte - wie zum Beispiel ein grundsätzliches Ja zu menschlichem Leben - in zukünftige Gesellschaften."
wenn Sie Dialog so verstehen, werden Sie mit Sicherhiet offene Ohren bei den Radikalen finden. Dafür brauchen Sie sich nicht zu sorgen. denn nicht anderes kursiert bei den Fundis ähnliches Dialogverständnis. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Dialog, der auf der Grundlage einer ewigen suche nach Lösungen für das Urproblem allen Übels basiert, das jeder Religion innewohnt, nämlich der Anspruch auf universelle Gültigkeit und Totalität der eigenen religiösen Weltanschuung. Der interreligiöse Dialog überwindet den Totalitarismus der Religionen nicht. Er wird geführt eben für diesen Zweck, oft in Form eines Dialogs der Tauben. Zu behaupten alle monotheistischen Religionen seien abrahamitsichen Ursprungs und deshalb in der Lage nebeneinanderzustehen, ist ohnehin eine Farce. Diese Behauprung blendet die Details aus zugunsten einer abstrakten Allgemeinheit. Ein Grunddetail uas islamischer Lehre ist, bei gleichzeitiger Anerkennung der beiden anderen montheistischen Religionen ihre Aufhebung stattfindet und zwar durch die besondere Hervorhebung der Exlusivität islamischer Lehre. Ein Detail in der christlichen Lehre ist offensichtlich die Tatsache, dass bis Jetzt die Kirche den Propheten des Islam nicht in die Heilgeschichte aufgenommen hat. Ein Detail im Judentum ist der tiefe Glaube an die Auserwähltheit des jüdischen Volkes durch Gott. Diese Details lassen von vorne herein keinen Dialog zu, der diesen Namen auch verdient.  


Jona Li:

Zitat aus dem Kommentar:
"Ein Grunddetail aus islamischer Lehre ist, dass bei gleichzeitiger Anerkennung der
beiden anderen montheistischen Religionen ihre Aufhebung stattfindet und
zwar durch die besondere Hervorhebung der Exlusivität islamischer Lehre.
Ein Detail in der christlichen Lehre ist offensichtlich die Tatsache, dass
bis Jetzt die Kirche den Propheten des Islam nicht in die Heilsgeschichte
aufgenommen hat. Ein Detail im Judentum ist der tiefe Glaube an die
Auserwähltheit des jüdischen Volkes durch Gott.  Diese Details lassen von vorne herein keinen Dialog zu, der diesen Namen auch verdient."

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Antwort der Autorin jona li:

Eben diese totalitären Ansätze und verabsolutierenden Glaubenspostulate jeder Religion sollen im Dialog angesprochen und thematisiert werden:
Die Menschheit und die Religionen werden sich weiterentwickeln.
Interreligiöser Unterricht mit lehrplangemäßen Bildunsgschwerpunkten schon von den Grundschulen an ist notwendig; und es wird Aufgabe der Politik sein, ihn einzuführen.

Religiöse Kultur als Nahrung und Inspiration für die Seele, die Psyche, den ganzen Menschen pädadgogisch, psychologisch und psychiatrisch effektiv zu vermitteln macht schon heute gute Religionslehrer, Imame, Pfarrer, Rabbis und Muftis und gelehrte Theologen aller Religionen aus; noch vielmehr werden diese wissenschaftlichen Kriterien für die Zukunft wichtig werden.
Die Pädagogik gibt uns Didaktik und Methodik, die Psychologie die Begründungen für pädagogisches Handeln und die Psychiatrie legt pathologische, erkrankte und krankhafte, Systempunkte von Religionen offen.
Religion an sich wird sich in Zukunft noch viel mehr hinterfragbar gestalten müssen und an wissenschaftlichen Maximen ausrichten.
Der TRANSZENDENTE, Gott, bleibt wie er ist; wir Menschen dagegegn, die Menschheit, werden uns auch in unserer Schau auf den transzendenten Gott weiterentwickeln.

http://www.lehrer-online.de/religion-interreligioes.php?sid=42457678714305417919607080708890

Online Lehrerportal für interreligiöses Leben

 

12.09.07

 

Was den Moscheenbau in Österreich betrifft, wäre ich schon sehr dafür, dass man dabei "Zug um Zug" vorgeht: Das würde bedeuten, Rückgabe des kirchl. Eigentums in der Türkei = 1 Moschee in N.N., Wiedereröffnung der gesperrten Prieserseminare in Istanbul = 1 Moschee in M.M., Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern (und Griechen), Beendigung der Christenverfolgung gegen die assyrischen Christen in der Osttürkei usw., usw. = weitere Zugeständnisse für Moslems in Österreich. Diese Vorgangsweise würde auch die Bewusstseinsbildung in den islamischen Ländern beeinflussen. Ein weiterer Punkt wäre die Kleiderordnung muslimischer Frauen in Österreich: Ich habe selbst miterlebt, wie kleine Kinder, z.B. in der Kärntnerstraße, erschrecken, wenn plötzlich so eine schwarze, vermummte Gestalt aus den Emiraten oder aus Saudi-Arabien vor ihnen auftaucht. 1. ist Vermummung verboten und 2. müssen auch nicht-muslimische Frauen die Kleiderordnung in arabischen Ländern beachten, warum nicht umgekehrt?


Links:

jona-li.de

 

 






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