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Theaterpädagogisches Projekt "Verschieden sind wir nicht?" 10.11.11 Kategorie: PROJEKTE
Zur Verbesserung der gesellschaftlichen Integration von Muslimen setzt der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen die Theaterpädagogik als Integrationsinstrument ein. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière zeichnete die Idee des theaterpädagogischen Projekts
„Verschieden sind wir nicht? Sind wir verschieden? Verschieden - wir? WIR!“
mit dem Integrationspreis 2010 der Deutschen Islam Konferenz aus.
Ziel
Ziel ist es, über „Geschichten“, die es in ähnlicher Weise im Koran und in der Bibel gibt, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und dabei jedoch die Unterschiede herauszuarbeiten. Durch die Beschäftigung mit der islamischen und der christlichen Kultur wird Wissen über den jeweils anderen vermittelt und dadurch etwaige gegenseitige Vorurteile abgebaut. Fremdes wird bekannt, ja vertraut. Denn schon die Erkenntnis „diese Geschichte kenne ich auch!“, nimmt die Angst vor dem Fremden, das eben darum so fremd nicht ist.
Damit leistet „Verschieden sind wir nicht?“ einen Beitrag zu Schaffung eines Klimas des Verstehens und des gegenseitigen Respekts und Toleranz.
Methode
Methoden der Theaterpädagogik werden gezielt gewählt, um ein Klima der Offenheit bei den Schülern zu schaffen und so die Bereitschaft herzustellen, sich auf das Thema „Islam-Christentum“ einzulassen. Hierdurch findet ganz automatisch ein intensives Auseinandersetzen mit dem Thema statt, das einem anschließend sicher nicht mehr fremd erscheint.
Im ersten Teil werden über die theaterpädagogische Arbeit spielerisch allgemeine Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeit, Ausdrucksfähigkeit, Kreativität in der Problemlösung, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Konfliktfähigkeit trainiert.
Die Gruppe befasst sich mit Themen, wie Anerkennung, Toleranz und Akzeptanz gegenüber dem „Anderssein - Muslimsein“. Auf Impulse wird eingegangen und die Gedanken der Schüler werden weitergetragen. Antworten auf sich auftuende Fragen werden gemeinsam unter Anleitung erarbeitet.
Im letzten Teil des Projektes befassen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Geschichten der westlichen und islamischen Welt und besuchen in diesem Rahmen eine Moschee (um Standorte, Verhaltensregeln, Riten kennen zu lernen) und eine Kirche.
Wie sieht das Projekt an der Schule konkret aus?
Zunächst findet ein vorbereitendes Gespräch mit der Schulleitung bzw. der betreffenden Lehrkraft, dem Theaterpädagogen und dem Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen statt.
Die Durchführung des Projektes an der Schule in der teilnehmenden Klassengemeinschaft erfolgt durch einen Theaterpädagogen in einem Umfang von 12 Schulstunden. Die Festlegung der Zeiten erfolgt unter Berücksichtigung des jeweiligen Stundenplans, wobei der Unterricht in größeren Böcken sinnvoll erscheint.
Sämtliche benötigten Materialien werden vom Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zur Verfügung gestellt.
Die Finanzierung des Honorars und der Materialien erfolgt durch den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit Unterstützung des Lions-Clubs Neuburg a. d. Donau.
Wie kann man sich das Ergebnis der Theaterarbeit vorstellen?
Das ist vollkommen offen – und zwar ganz bewusst. Für das Projekt gilt: Der Weg ist das Ziel. Im Vordergrund soll nicht ein fertiges Schauspiel stehen, sondern seine Erarbeitung. Daher wird auch jede Gruppe am Ende ein ganz unterschiedliches Ergebnis hervorbringen, das in ein Spiel oder auch in Improvisationstheater mündet. Es ist ein freier, theaterpädagogischer Prozess, in dessen Verlauf sich die Schüler Wissen über den Islam aneignen. Welche Herkunft oder Religion die Schüler haben, spielt ebenso wenig eine Rolle wie die Altersstufe. Der theaterpädagogische Ansatz ist gleichermaßen humorvoll und vernünftig und kann daher jeden erreichen. Ideal wäre, wenn die Schüler durch die Teilnahme am Projekt selbst zu der Erkenntnis gelangen, was die gemeinsamen, tragenden Säulen von Islam und Christentum sind: Toleranz und Respekt.
„Schüler gehen mehr aufeinander zu" Klassleiterin Stefanie Kirschner freut sich über die Wirkung des theaterpädagogischen Projektes: „In meiner Klasse hat die Teilnahme an ‚Verschieden sind wir nicht?' dazu geführt, dass es praktisch keine Pausenstreitigkeiten mehr gibt. Die Schüler gehen mehr aufeinander zu." Auch Kirschners Kollegin Gaby Röschke berichtet von positiven Wirkungen für die Klassengemeinschaft.
Das Projekt läuft bis Ende 2014.
Projektleiter: Mahmoud Al-Khatib, mahmoud.al-khatib(at)lra-nd-sob.de |